Porsche Im Strom der Zeit

Im Strom der Zeit

Lifestyle
Lesedauer: 5 min
13.05.2020

Der Porsche Taycan Turbo in Bangkok. Am Steuer: Tenn – der Organisator des asiatischen Kultevents ?Das Treffen“. Elektrisierend!

Bangkok ist da drau?en, laut, bunt, einfach Rock Around the Clock, aber wir sagen erst mal ganz h?flich an der Haustür Hallo! Ein aufmerksamer Blick aus den Fenstern einer markanten Brille trifft uns, Sihabutr Xoomsai streicht sich mit der Hand kurz über die verwirbelte Haartolle, beinahe etwas verlegen, und winkt dann mit ausladender Geste: ?Kommt rein. Was trinken?“

Hier wohnt ganz augenscheinlich jemand, der Kunst und Architektur mag, maskuline Coolness und gleichzeitig den swing gepflegten Beinehochlegens. Das Zuhause von ?Tenn“, wie Freunde, Kollegen und Verbündete den Filmemacher und Journalisten nennen, k?nnte so auch in den Hollywood Hills stehen mit seinen Glaselementen, Stahlstrukturen und rohen Backsteinw?nden.

Der Gastgeber hat unseren Seitenblick in die offenstehende Garage bemerkt, grinsend bleibt Tenn stehen und lehnt sich mit vor der Brust verschr?nkten Armen l?ssig an die Wand. ?Ich scheine ein Faible für Porsche zu haben, Leugnen ist zwecklos.“ Er lacht: ?Ich habe gerade ein paar Elfer von Freunden hier, den gelben 993 GT2 zum Beispiel, aber der 911 Short Wheel Base ist meiner und der 997 Carrera S auch. Ansonsten herrscht hier oft Kommen und Gehen.“

Tenn ist bereits ein paar Schritte weiter und schaut im Wohnzimmer auf einen silbernen 930, der per Aufzug aus dem Eingangsbereich in seinen Glaskasten geschwebt ist. ?Es hat eine Weile gedauert, bis meine Frau einverstanden war, aber jetzt kann ich tats?chlich im Wohnzimmer Autos waschen.“ Tenn zwinkert verschmitzt. ?Ich muss verrückt sein.“ N?, eigentlich nicht.

Porsche im Wohnzimmer: Im 911 3,3-Liter-Turbo von 1986 mit klassischen Modifikationen der Epoche geht Tenn gerne auch mal auf die Langstrecke bis hinunter nach Malaysia

Tats?chlich h?rt sich seine Geschichte ganz und gar nicht verrückt an. Beinahe zwingend logisch. Im August 1970 kommt er in Bangkok zur Welt, besucht in den USA die Highschool und studiert sp?ter in den Staaten das Filmemachen. Tenn ist damals knapp 20 Jahre alt und w?hrend der Ferien zu Hause in Bangkok kommt ein Freund des Vaters zu Besuch – aber nicht solo, sondern in einem Porsche 911 Carrera. Farbe: Amethyst Metallic. Baujahr: 1991.

Tenn erinnert sich an jedes Detail, jeden Moment. ?Irgendwann hat er mir den Zündschlüssel seines Porsche zugeworfen und gemeint: ?Warum holst Du uns nicht kurz ein Bier?‘ Ich konnte mein Glück kaum fassen, bin sofort los, bevor er es sich anders überlegt und als ich am Laden ankam, hatte ich das Geld vergessen. Und musste noch mal fahren.“ Ganz schade. Tenn grinst. ?Ich habe alles abgespeichert, für immer. Den Sound. Das Feeling. Was sich damals bei mir festgekrallt hat: Der Porsche-Spirit ist nichts Ausgrenzendes, er ist nicht exklusiv. Als echter Fan will man die Begeisterung teilen. Porsche, das ist für alle.“

Pause. Nachdenken. Sich freuen. Und dann klopft Tenn mit beiden H?nden auf die Oberschenkel, springt auf: ?Wollen wir los? Ich bin echt gespannt.“ Der Grund für die Vorfreude steht unten in der Einfahrt. Wei?, elektrisch, stark: der Taycan Turbo. Natürlich wird auch diese Fahrt brüderlich geteilt. Tenn darf den Taycan erleben, wir Bangkok. Faire Sache.

Bangkok nach Mitternacht: Souver?n zieht der Taycan Turbo durch den Lichterglanz der Hauptstadt

Es wird turbulent und explosiv, verwirrend und mitrei?end, die südostasiatische Metropole überschüttet uns mit Eindrücken. Alte Tempel blühen wie seltene Blumen zwischen Beton und Asphalt, einst?ckige Stra?enzüge mit br?ckelnden Stuckfassaden dr?ngen sich um moderne Wolkenkratzer, Gerüche und Farben in psychedelischer Intensit?t strudeln uns in einen regelrechten Sog. Der elektrische Porsche scheint sich schnell mit dieser wilden Stadt anzufreunden.

L?ssig wirft er sich ins Getümmel, sprintet mit epochaler Elektropower von Ampel zu Ampel und hat für jede noch so enge Situation ein paar hakenschlagende Tricks auf Lager: trocken zupackende Bremsen, auch im Stakkato pr?zise das Handling und immer wieder die ansatzlos in den guten Seitenhalt der Sitze drückende Kraft der E-Motoren.

Tenn ist ansteigend begeistert: ?Hey, ich war schon skeptisch, aber die Porsche-DNA ist total da. Design, Dashboard, Instrumente, Look und Feel – Porsche puristisch pur. Heimat. Und die Performance ist ergreifend!“ Dann beginnt er zu rechnen: ?Für Bangkok ist der Taycan perfekt. Mit einer Batterieladung k?nnte ich eine Woche lang fahren, bevor ich hier überhaupt ans Laden denken müsste.“

Der wei?e 911 SWB und der gelbe 993 GT2 sind die ganze Zeit mitgeschwommen durchs bunte Meer der Lichter, wirken vom überdrehten Rhythmus der Metropole tats?chlich etwas verschwitzt und scheinen sich jetzt zu melden. ?Hey“, n?rgeln sie mit keuchendem Boxertrommeln und pfeifenden Turboladern: ?Sobald du dann wieder im Staub der Langstrecke unterwegs bist, nach Norden oder Süden, raus aus der Stadt, hast du mit der Elektromaschine keine Chance gegen unsere zornigen Triebwerke. Die Stra?en Thailands sind gut, aber du kannst nicht überall tanken …“ Tenn scheint nicht zuzuh?ren. Er überlegt. ?Vielleicht ist das ja die Magie des Elektroautos: Du willst dir wieder fremde Wege suchen, alles neu entdecken, noch einmal von vorn beginnen. Techno statt Rock ’n’ Roll, aber mit genau demselben Punch. Mit unfassbar starker Emotion. Ich bin ein Fan.“

Seit den Bukruk-Streetart-Festivals 2013 und 2016 wird Bangkok zunehmend bunt
Triumphbogen im Pagoden-Stil: Der Taycan surft mit typischer Sportwagen-L?ssigkeit durch den Kreisverkehr

?Vielleicht ist das ja die Magie des Elektroautos: Du willst dir wieder fremde Wege suchen, alles neu entdecken, noch einmal von vorn beginnen.“

Sihabutr ?Tenn“ Xoomsai

Dass wir jetzt erst recht weiterfahren, ist mehr als logisch. Bangkok hat uns in festem Griff. Der wei?e Wagen flüstert dahin, segelt durch die D?mmerung und hinein in eine hell erleuchtete Stadt. Eben noch verwandelt er sich für einen Zwischensprint in glühende Energie, Tenn schüttelt fassungslos den Kopf: ?Das Auto passt so gut zu dieser Stadt mit ihren Kontrasten zwischen traditionellen Tempeln und schonungsloser Moderne. Genauso ist der Taycan eine unglaubliche Mischung aus vertrauten Gefühlen und ganz neuer Inspiration.“ Tenn kneift einen Moment lang die Augen zu, er scheint ein anderes Bild zu jagen: ?Früher hatte man bei Videodrehs ab morgens um drei oder vier Bangkok für sich. Heute ist das anders. Bangkok ist niemals müde. Der Taycan fühlt sich ?hnlich an. Er ist always on. Hellwach.“

Text erstmalig erschienen im Porsche-Kundenmagazin Christophorus, Nr. 394 www.christophorus.porsche.com